Rechtschreibung in der Grundschule

Wie ist das bei Euch? Haben Eure Kinder von Anfang an ein gutes Gespür für die deutsche Rechtschreibung? Fällt es Ihnen leicht, (fast) fehlerfreie Texte zu schreiben? Oder kreieren sie die tollsten Wortschöpfungen, die am Ende Fremdsprachen gleichkommen und weigern sich hartnäckig, Wörter richtig zu schreiben, auch wenn sie noch so kurz sind. Diskutieren Sie über die Schreibweise? Und wie geht es Euch dabei? Gehört Ihr auch zu den vielen Eltern, die beim Thema Rechtschreibung zwischen Wahnsinn und Verzweiflung wechseln? Dann müsst Ihr jetzt unbedingt weiterlesen!

Für mich war die neue Herangehensweise an die Rechtschreibung in der Grundschule nicht nur neu, sondern teilweise auch echt befremdlich. Wieso dürfen Kinder bis zur vierten Klasse schreiben wie sie wollen. Und vor allem, wie lernen sie denn die richtige Schreibweise, wenn sie nicht unbedingt verbessert werden sollen.  Und wie geht es dann auf der weiterführenden Schule weiter?

Ich hatte echt Sorge, wie das ab Klasse 5 laufen soll und habe mich letztendlich damit getröstet, dass die Anderen (zumindest Jungen) aus der Klasse auch nicht viel besser waren 😉 Das hilft zwar nicht bei der Rechtschreibung, trägt aber zumindest zum gleichen Wissenstand bei. Ja klar, man könnte das zu Hause üben, aber erstens schien es mir zu ehrgeizig und zweitens kann man mit einem Übungs- und Aufwandsverweigerer NICHTS zusätzlich üben. Also blieb nur Abwarten.

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„Liebe Eltern der Klasse 4!
….Bitte achten Sie bei Ihren Kindern beim freien Schreiben etwas auf die Rechtschreibung, aber Sie sollten wissen, dass Ihre Kinder nicht gleichzeitig frei und richtig schreiben können. Das folgt erst später…..“

So ungefähr lautete ein Elternbrief, den wir vor einiger Zeit von Felix‘ Klassenlehrer zu dem Thema „Freies Schreiben“ bekommen haben. Felix ist ja jetzt in der 4. Klasse. Und obwohl die Mühlen auf der Waldorfschule etwas langsamer mahlen, denn die Kinder gehen ja ein Jahr länger zur Schule, sind wohl auch in Felix‘ Klasse einige Eltern genauso besorgt, wie ich es bei Max war. Es scheint überall sehr ähnlich: Noch in der 4. Klasse schreiben die Kinder – nicht nur in der Waldorfschule – entweder einen Aufsatz oder sie schreiben richtig 😉 Eine Seite Aufsatz, 25 Rechtschreibfehler.  Kennt Ihr das vielleicht  auch: „Die Roteampel“? Mama, das wird groß geschrieben, ist doch ein „die“ davor… Mmmmh, ist klar! Oder wenn Sachen, die bis dahin richtig geschrieben wurden, auf einmal alle falsch sind, denn in der Schule wurde Dehnungs-H oder ie besprochen. Wihr, siend, Aeis, auhch. Mir ist da nichts fremd 😉

Aber genau, wie der Klassenlehrer in seinem Elternbrief geschrieben hat, sind diese Rechtschreibvarianten irgendwann, im Laufe der 5. bis 6. Klasse auf einmal verschwunden. Und zwar VON GANZ ALLEIN! Das war mir gar nicht richtig bewusst aufgefallen bis ich diesen Elternbrief bekommen habe. Es stimmt tatsächlich. Wieder mal versucht da wohl das Schulsystem die Kinder in seine Form zu pressen, anstatt sich den Kindern anzugleichen.

Wenn Ihr also auch so Schreibgranaten zu hause habt, die jetzt in der 4. Klasse sind, und denen alles wichtiger ist als die Rechtschreibung, dann möchte ich Euch mit meinem heutigen Post beruhigen. Ich kann die Gedanken und die Wortschöpfungen sehr gut nachvollziehen und hätte in der Situation vor 3 Jahren gerne jemanden getroffen, der mir sagt: Bleib ganz ruhig, das regelt sich von allein.

Macht Euch also bitte nicht verrückt, lasst die Kinder schreiben, wie sie wollen und habt Spaß daran, dass sie Geschichten schreiben können. Verbessert einfache Worte wie „und“ oder „sind“ oder Wörter, die sie immer wieder benutzen. Sprecht mit ihnen über Hilfestellungen wie Pluralbildung „Hund – Hunde“ oder über die Eselsbrücken, die wir früher schon hatten „wer nämlich mit H schreibt ist dämlich“ oder so etwas. Aber lasst sie ansonsten einfach in Ruhe so schreiben, wie sie lustig sind.

Denn, wenn die Zeit für Eure Kinder reif ist, dann werden sie neben ihren tollen Geschichten auch mit toller Rechtschreibung glänzen. Da bin ich mir ganz sicher! Aber eben erst dann, wenn IHRE Zeit dafür reif ist, nicht, wenn WIR oder das Schulsystem meinen, dass z. B. der Schulwechsel so etwas erfordert.

Und im Nachhinein ist es doch auch ehrlich gesagt egal, ob sie die richtige Schreibweise schon in der 4. oder erst in der 6./7. Klasse konnten, oder?

Es ist alles nur eine Phase, selbst die Falscheschreibweise 😉

Liebe Grüße von
Sandra

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